Ich bin über vierzig Jahre alt und habe mich sowie die Menschen lange Zeit studiert. Dabei habe ich die Punkte identifiziert, die den Großteil zwischenmenschlicher Probleme ausmachen – allen voran der Umgang mit der Triebnatur des Menschen.
Wir sehen uns gern als bewusste Wesen, deren Handeln von Intelligenz gesteuert wird. Betrachtet man jedoch Statistiken zu Sexualverbrechen, lässt sich diese Vorstellung – zumindest bei Männern – schon mal widerlegen. Immer wieder brechen die urtümlichen Triebe hervor, und selbst bewusstes Gegensteuern scheint oft wenig auszurichten. Was passiert hier eigentlich?
Wieder spielt die moralische Erziehung eine entscheidende Rolle im Umgang mit unserer Triebnatur. In der Regel werden Kinder dazu erzogen ihre Triebe zu unterdrücken und sich für das Ausleben derselben zu schämen oder sie als böse zu empfinden. Somit müssen Kinder schon früh Bewältigungsstrategien für den Umgang mit Emotionen suchen. Entweder sie schauen sich den Umgang von den Eltern ab oder sie entwickeln eigene Strategien. Nicht selten werden die triebhaften Anteile einfach ins Unterbewusstsein verdrängt, von wo aus sie sich dann in entstellter Form regelmäßig zu Wort melden.
Das beste Beispiel für so einen unterdrückten Trieb ist der Verteidigungstrieb – ein intensives „Aufkochen“, wenn persönliche oder körperliche Grenzen gefährdet sind oder überschritten werden. Wut schießt ins Bewusstsein und löst eine körperliche Kaskade aus, die der Verteidigung der Grenzen dient. Doch dieser Impuls wird sehr oft schon in der Kindheit unterdrückt, vor allem wenn körperlich und emotional übergriffige Eltern keine aufmüpfigen Kinder haben wollen und gegen jeglichen Willen des Kindes durchregieren. Auch später im Leben wird der angeborene Trieb eines solchen Kindes anspringen aber er wird nicht ausgelebt, sondern durch massive geistige Anstrengungen unterdrückt. Das Kind kann rationalisieren und die Schuld bei sich suchen – dann wird es depressiv. Es kann auch Rituale entwickeln, mit denen es sich von den körperlichen Impulsen ablenkt – dann kommt es eher zur Ausprägung einer zwanghaften Persönlichkeit. Es entstehen unterschiedliche Persönlichkeitsausprägungen, je nachdem wie ein Mensch seinen unterdrückten Trieb zu kanalisieren versucht.
Dieses Beispiel zeigt: Die Unterdrückung von Trieben ist problematisch. Sie führt zu inneren Konflikten, die in psychische Störungen münden, während eine Versöhnung mit der eigenen Triebnatur die Energie freisetzt, die sonst zu ihrer Unterdrückung aufgewendet werden muss.
Der Löwe jagd und tötet, weil es seine Natur ist. Niemand verurteilt ihn dafür. Erst Moral und Erziehung sorgen dafür, dass wir uns für unsere Triebe schämen und sie unterdrücken. Was für eine funktionierende Gesellschaft wichtig ist, kann im Extremfall zu psychischen Störungen führen.
Unser Körper ist, aus evolutionärer Sicht, erstaunlich primitiv. Die Urtriebe sind nach wie vor Hauptmotivatoren unseres Handelns. Seelen, die sich über diese rein materiellen Motivatoren hinaus entwickelt haben, kämpfen oft mit der schieren Masse körperlicher Impulse ihres menschlichen Körpers. Während erdgebundene Seelen meist mühelos mithilfe ihrer angeborenen Instinkte im Alltag navigieren, geraten universelle Seelen regelmäßig in Konflikt mit ihrer physischen Hülle, da die angeborenen Triebe oft den universellen Idealen von Liebe und gegenseitiger Unterstützung widersprechen.
Innere Konflikte entstehen, wenn die mentalen Vorstellungen mit den triebhaften Bedürfnissen des Körpers kollidieren. Die Unterdrückung dieser Impulse ist keine dauerhafte Lösung – schließlich tragen wir unseren Körper bis zum Lebensende. Das sich absolute Hingeben ist auch keine Option, weil dann die Seele mit ihren Idealen irgendwann blockiert. Es braucht daher einen diplomatischen Umgang. Der Geist muss die triebhaften Bedürfnisse des Körpers anerkennen und Wege finden sie entsprechend dem eigenen Wertekodex auszuleben. Der Körper muss lernen, dass er nicht nach Belieben das Ausleben der Triebe fordern kann.
Ein Dialog zwischen Geist und Körper eröffnet ein faszinierendes gegenseitiges Kennenlernen. Werden die Anteile nicht mehr als Gegenspieler, sondern als Partner betrachtet, setzt sich eine enorme Menge an Energie frei.
Hinter der zivilisierten Fassade sind im Menschen noch immer tierische Instinkte und Triebe aktiv. Sie bestimmen das menschliche Handeln weitaus mehr, als sich die meisten eingestehen wollen.
Ein bewusst integrierter Trieb ist allerdings eine starke Kraft- und Genussquelle.
Liebe deinen Körper bedingungslos – egal, welche Bedürfnisse er an dich heranträgt. Auch wenn dir manche Triebe auf den ersten Blick primitiv oder unangemessen erscheinen, sie gehören zu dem, was dich menschlich macht. Du musst diese Impulse nicht zwangsläufig ausleben, doch nimm sie wahr und akzeptiere sie. Ein akzeptierter Trieb verliert seine Unkontrollierbarkeit und kann – in der richtigen Situation – zu einer Quelle von Kraft oder sogar Genuss werden.
Wie Mouse im ersten Matrix-Film so schön sagte:
„Wer seinen Trieb verleugnet, verleugnet das was ihn zum Menschen macht.“
Also habe Mut Mensch zu sein! Du hast nur diese eine Chance diese Erfahrung zu machen.
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