weißt du, ich meine es wirklich gut mit meiner Arbeit. Ich habe Jahrzehnte damit zugebracht, mein Techniken zu verfeinern und mich in allen relevanten Gebieten weiter zu entwickeln, um anderen Menschen so gut wie möglich auf ihrem Weg weiter helfen zu können und ich bin gut, wirklich gut in dem was ich mache. Aber das ist es einfach nicht mehr, was heute zählt.
Auch wenn dieser Beitrag im ersten Moment wie Jammern klingt, so ist er einfach der Ausdruck von Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe und die mir einen Einblick in eine Entwicklung gegeben haben, die ich mit größter Sorge beobachte, denn was ich sehe ist, dass wir alle längst Sklaven des Algorithmus sind.
Ich hatte mir auf die Fahnen geschrieben immer seriös zu bleiben. Es gibt so viele Scharlatane da draußen, die mit minderwertigen Produkten richtig viel Geld machen und ich wollte nie dazu gehören. Was ich aber auch in den Analysen meiner Sichtbarkeit und meines Internetauftrittes immer wieder sehe ist, dass es nicht auf Seriosität ankommt. Es geht nur noch darum, dass man seine Internetseite mit Buzzwords vollpflastert, damit man in einschlägigen Suchmaschinen überhaupt gefunden und seiner Zielgruppe zugeordnet wird und das Schlimmste daran ist: Wenn man das Spiel nicht mitmacht, dann ist man vollkommen unsichtbar und in der Folge geschäftlich gesehen tot.
Qualität setzt sich nicht mehr durch, denn Qualität ist kein Kriterium für Sichtbarkeit. Der Google-Algorithmus kann meine Arbeit nicht bewerten. Er kann nur nach bestimmten Keywords auf meiner Internetseite Ausschau halten und aus diesem Umstand ist eine Realität entstanden, die ich nur noch als Folgendes bezeichnen möchte...
Ich gehöre noch zur ganz alten Schule. Ich habe meine Internetseiten immer selbst geschrieben – HTML im Texteditor, die Grafik in Photoshop selbstgebaut - damit es auch wirklich meine Internetseite ist und meinen Stil verkörpert. Das war damals. Heute geht so was nur noch sehr bedingt, denn wenn man auf dem Online-Marktplatz gesehen werden will, richtet sich die Gestaltung nicht nach mir oder meiner Kundschaft, sondern nach den Algorithmen der Suchmaschinen und daraus ist ein gigantisches Geschäft geworden. Also hat man zwei Möglichkeiten:
Angesichts der Komplexität heutiger Internetseiten – ihre Flexibilität im Bezug auf Browser, Auflösung oder Endgerät - fällt Option 1 praktisch weg, wenn man nicht primär als Webdesigner arbeiten möchte.
Ich will mich nicht beklagen – diese Website-Baukästen sind eine feine Sache. Sie machen die Arbeit deutlich einfacher und schneller und am Ende sieht so eine Seite dann ja, wenn man ästhetisch nicht vollkommen unbegabt ist, auch recht professionell aus.
Der Teufel steckt aber im Detail und da fange ich an mich doch zu beklagen, denn wie so Vieles in unserer Welt folgen auch diese Baukästen oft dem Anna-Kournikova-Prinzip: Sehen gut aus, können aber nicht viel. Wenn man nicht verstanden hat, wonach nun diese Suchmaschinen-Algorithmen Ausschau halten, nützt einem der beste Baukasten nichts und selbst wenn man es weiß, dann bekommt man am Ende eben das, was man immer mit generalisierten Tools bekommt: Eine zwar vordergründig hübsche Seite, die aber unter der Haube einfach nur unoptimierter Schrott ist.
Nun hat man so eine Seite und denkt sich „Hmm. Die sieht ja nun echt professionell aus. Werden doch bald Kunden drauf aufmerksam werden.“ Aber so läuft das Spiel nicht. Wenn die Seite nicht SEO-optimiert ist, wird die Seite schon mal gar nicht organisch angezeigt und Google, als profitorientiertes Unternehmen möchte natürlich auch nicht, dass man angezeigt wird, wenn man nicht Geld auf den Tisch legt und so werden mitunter qualitativ hochwertige Seite von Google abgewertet, damit qualitativ schlechte Seiten, für die Google jedoch Geld bekommt, nicht so schlecht da stehen.
Neben Google machen aber auch unzählige weitere Unternehmen richtig Kasse mit dem Umstand, dass ein im Internet nicht auffindbares Unternehmen heute praktisch tot ist. Es sind die SEO-Optimierer, die für einen in der Regel vierstelligen Betrag im Jahr dafür Sorgen, dass auch deine Internetseite genau so aussieht und mit immer denselben Buzzwords vollgepflastert wird, die man überall liest, damit der Google-Bot einen auch ja findet. Zusätzlich sorgen diese Unternehmen auch dafür, dass man sog. Backlinks bekommt, also dass Google denkt, dass die Seite von anderen Seiten referenziert wird und deshalb qualitativ hochwertig sein muss – ein absolut nichtssagendes Kriterium, da diese Backlinks in der Regel alle gekauft sind. Darüber hinaus machen diese Unternehmen nichts anderes, als auf ein paar Buttons zu drücken, die die Seite dann mittels KI den Wünschen der Suchmaschinen-Algorithmen anpassen.
Weil ich derartigen Aasgeiern kein Geld schenken möchte bestand meine Arbeit in den letzten Monaten zum größten Teil daraus zu verstehen, wie der Google-Algorithmus funktioniert und wie ich meine Seite entsprechend anpassen muss. Von meinen ursprünglich selbstgeschriebenen Texten ist nicht mehr viel übrig, da sie alle durch KI SEO-optimiert sind. Nun liest sich meine Seite wie jede x-Beliebige, weil auch ich gezwungen bin so viele Buzzwords wie möglich unterzubringen. Die Zeiten von individuellen Internetseiten mit eigenem Stil sind vorbei. Für den Algorithmus ist Individualität einfach ineffizient und wird deshalb abgestraft.
Kleiner Tipp: Frag mal ChatGPT oder Deepseek, was mit dem Gehirn von Heranwachsenden passiert, wenn eine KI das Schreiben von Texten für sie übernimmt. Kleiner Hinweis: Dasselbe ist mit der Fähigkeit zur Visualisierung passiert, als Fernsehen flächendeckende Beschäftigung für Kinder wurde ;)
Das Buzzwording ist inzwischen nicht mehr nur auf das Internet begrenzt. Es gibt ganze Berufszweige, in denen inzwischen geredet wird, als würde es nur darum gehen möglichst viele Keywords zu droppen. Eine Bekannte wurde letztens schon gefragt, warum sie denn so komisch reden würde, weil sie einfach nur normal spricht und nicht die hipsten In-Words in jeden Satz einbaut. Ist das noch ein normaler Wandel der Sprache – wenn er durch Algorithmen herbei geführt wird? Und was sagen diese Buzzwords eigentlich aus? In der Regel sind es hohle Phrasen, die keinen wirklichen informativen Mehrwert besitzen.
Das sind jedoch vergleichsweise kleine Probleme gegenüber dem, was es langfristig mit der Qualität von Dienstleistungen und Produkten macht. Fakt ist – und das ist nichts Neues – Werbung ist wichtiger für geschäftlichen Erfolg als Qualität.
Ich habe nichts gegen Werbung per se. Wenn man sein Produkt nicht zu Markte trägt, muss man sich nicht beschweren, wenn es niemand kauft. Wenn ich aber nicht selbst bestimmen kann, wie meine Werbung aussieht, weil es nur noch einen Markt gibt und ein Marktleiter bestimmt, wie die Werbung auszusehen hat und wessen Werbung am Sichtbarsten ist, dann ist Werbung an sich monopolisiert und unterliegt nicht mehr dem freien Wettbewerb.
Die Aufgabe des Google-Algorithmus war es ursprünglich, den Internetnutzern die besten Informationen zu liefern und das hat Google groß gemacht. Der Algorithmus diente den Menschen. Inzwischen ist es umgekehrt, weil der Zweck des Algorithmus nun die Profitmaximierung ist. Und wann ist daraus jemals etwas Gutes für die Menschheit entstanden?
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